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connect Neustadt

Bloße Quotenregelung nützt nichts

28.01.2012
Das Projekt "Talentiert und engagiert - Frauenpower nutzen" startet am 1. Februar. Es ist für Unternehmen interessant, die das Potenzial ihrer Fachkräfte ausschöpfen und Rahmenbedingungen schaffen wollen.

Neustadt - Anne Tränkner ist schon lange im Geschäft, wenn es um die Vermittlung, Ausbildung oder Förderung von Mitarbeitern geht. Die Fachfrau ist Bereichsleiterin Bildung beim Projektträger connect und hält wohl deshalb auch nichts von einer Quotenregelung, wie sie derzeit in aller Munde ist: "Eine bloße Quotenregelung nützt nichts, wenn die Unternehmenskultur dafür nicht geschaffen ist und/oder sich Frauen Führungspositionen nicht zutrauen." Deshalb plädiert sie dafür, Rahmenbedingungen zu schaffen und so Arbeitgeber und Arbeitnehmer sukzessive aufeinander zu bewegen zu lassen. "Im Fokus steht bei uns das Projekt Talentiert und engagiert - Frauenpower nutzen, das am 1. Februar beginnt", so Tränkner. Die länderübergreifende Aktion in Bayern und Thüringen sei interessant für Unternehmen mit weiblichen Führungskräften, die für neue oder erweiterte Positionen das Potenzial haben und dort als Fachkraft gebraucht werden. "Wir sprechen da besonders die mittlere Führungsebene an und das auch bei kleinen und mittleren Unternehmen", sagt Tränkner.

Alle können profitieren

So entstehe eine echte "Win-Win-Situation", von der alle profitieren. "Die Unternehmen, weil sie die Chance haben, Personalentwicklung zu betreiben, die sie alleine gar nicht stemmen könnten. Und die Frauen, weil sie die notwendigen Entwicklungsprozesse und Coaching- sowie Seminarangebote erhalten", zeigt Tränkner auf. Besonders wichtig erscheint es der Expertin, dass "in zwei Richtungen geschult" wird. Zum einen eben die Fachfrauen selbst und zum anderen deren Führungskräfte in den Unternehmen, da zur fachlichen und persönlichen Eignung natürlich auch die Akzeptanz im direkten Arbeitsumfeld und in der Unternehmenskultur zählt. Warum macht connect dieses Projekt, das laut Geschäftsführer René Leibold in dieser Förderrunde die erste bewilligte Initiative in Deutschland ist? "Potenziale von Fachfrauen werden gebraucht, bleiben aber oft ungenutzt. Sie zu erschließen und zu fördern bringt Unternehmen Gewinn", so Leibold. Der Fachkräfte-Nachwuchs werde sichergestellt, Führungskräfte aus dem eigenem Haus bleiben länger und die Attraktivität des Arbeitgebers werde erhöht, weiß er.

Das sieht auch Margit Welscher, Geschäftsführerin vom AWO-Senioren- und Pflegeheim, so: "Ich werde zwei Mitarbeiterinnen schicken. Denn von diesem Projekt profitieren alle." Dabei wird beileibe nicht nur die kaufmännische Schiene mit Berufen wie Sachbearbeiterin oder Projektleiterin, sondern auch die gewerbliche und soziale angesprochen. "Wenn eine Frau von der Schichtarbeiterin zur Schichtleiterin aufsteigt, passt sie genau in das Portfolio hinein", gibt Tränkner beispielhaft vor.

Mögliche Inhalte des Projekts sind: Die Stärken erkennen und ausbauen, das Entwickeln von Durchsetzungsstrategien und das Erlernen von Führungs- und Kommunikationstechniken. Im Fokus steht auch die Netzwerkarbeit und Sorge um den vernünftige Umgang mit der Ressource Mensch. "Zwölf Stunden Anwesenheit am Arbeitsplatz bedeuten nicht zwölf Stunden Leistung", erklärt Anne Tränkner im Hinblick darauf, dass beispielsweise auch von zu Hause aus gearbeitet werden könnte, um für die Kinder da zu sein.

Sie macht Bewerberinnen Mut: "Frauen werden begrenzt oder lassen sich begrenzen." Und wie teuer ist die Teilnahme? "Es entstehen keine Kosten. Die Unternehmen müssen die Beteiligten lediglich für Coaching und Seminare freistellen. Ansonsten arbeiten sie normal weiter", erläutert Tränkner. Vielmehr werde durch "Learning by doing" am Projektende von neuen Erfahrungen profitiert. Weitere Informationen unter www.connect-neustadt.de.

Quelle: Neue Presse, 28.01.2012